Direkt zum Seiteninhalt

2026-bundeskulturtagung - www-pommern-biz

Pommersche Landsmannschaft e.V.,
Bundesverband
Menü überspringen
Pommersche Landsmannschaft e.V., Bundesverband
Menü überspringen
Bundeskulturtagung der Pommerschen Landsmannschaft
im September 2026 in Lübeck-Travemünde

Es war eine erfolgreiche Bundeskulturtagung, ganz so wie es der Bundesvorsitzende Adalbert Raasch wünschte und zu der der Bundesvorstand vom 04. bis 06. September 2026 in das Travemünder Hotel Maritim eingeladen hatte. Über 40 Teilnehmer, darunter erfreulich viele, die erstmals an der Tagung teilnahmen, konnte Adalbert Raasch herzlich willkommen heißen. Von Margrit Schlegel, die aus persönlichen Gründen nicht kommen konnte, überbrachte er Grüße. Ebenfalls nicht teilnehmen konnten Bundesvorstandsmitglieder Rolf-Peter Wachholz und Burkhard Wruck.

Besonders begrüßte der Bundesvorsitzende den ehemaligen Sprecher der PLM Zentralverband e.V. Herrn Prof. Dr. Wolfgang Müller-Michaelis sowie Herrn Dr. Winfried Küttner. Adalbert Raasch stellte den verständigungspolitischen Einsatz der Vertriebenen heraus und bat um weitere aktive Unterstützung in der PLM, um miteinander gute Wege für eine lebendige Zukunft zu finden. Wer ist bereit, ehrenamtlich im Bundesvorstand mitzuarbeiten bzw. wer steht beratend zur Seite? Bundesvorstandsmitglied Detlef Lindemann übernahm die Tagungsleitung und begrüßte am ersten Abend das Akkordeonorchester „Ostseekrabben“, das zu einem unterhaltsamen Abend beitrug und das Singen des Pommernliedes stimmungsvoll begleitete. Anregende Gespräche und ein geselliges Miteinander waren ein guter Einstieg in die Tagung und das vielseitige Programm am folgenden Sonnabend.

Zum Auftakt des Programms fanden sich am Samstagmorgen die Gäste in der Versöhnungskirche im Pommernzentrum ein, darunter auch Brigitte Braasch aus dem Stiftungsrat der Versöhnungskirche. „Ihrem Engagement ist es zu verdanken, dass noch heute Gottesdienste in der Versöhnungskirche gefeiert werden können“, hob Adalbert Raasch in seinen Begrüßungsworten hervor. Nach seiner Andacht ließ Dr. Küttner (Geige) gemeinsam mit Bela Riehl (Orgel) Facetten pommerscher Musik erklingen. Obwohl es kaum Literatur über pommersche Musik gibt, fand Dr. Küttner mit seiner Sachkunde ein ganzes Panoptikum ebendieser Musik. Das Vorurteil „Pomerania non cantat“ (Pommern singt nicht) widerlegte er mit etlichen Kompositionen von Musikern, die in Pommern gewirkt haben, darunter der bekannte Carl Loewe in Stettin. Während der Andacht und des Musikvortrags fielen Sonnenstrahlen durch das nach Osten ausgerichtete große Fenster, das den Blick freigab auf die ziehenden Wolken, ein ergreifendes Gefühl, das Prof. Müller-Michaelis anschließend aussprach. Er war erfaßt von Gottes Blick auf den pommerschen blau-weißen Himmel – und so ging es wohl den meisten Gästen in dieser erhaltenswerten Kirche als Gotteshaus der in Deutschland, Europa und verstreut in der Welt lebenden Pommern und deren Nachkommen. Zum Totengedenken sprach Adalbert Raasch - musikalisch begleitet von Dr. Küttner - in der Gedenkallee, wo Blumen am Mahnmal niedergelegt wurden.

Am Nachmittag begrüßte Detlef Lindemann als ersten Referenten André Marten, den Vorsitzenden des im Jahre 2000 gegründeten Vereins „Pommerscher Greif e.V.“ „Mir ist die Verbundenheit zu Pommern in die Wiege gelegt“, so André Marten. „Denn alle meine vier Großeltern sind Pommern.“ Der Vorsitzende stellte die Arbeit des Vereins für pommersche Familien- und Ortsgeschichte vor, der im Jahre 2025 zum 25-jährigen Jubiläum 580 Mitglieder zählte. Er stellte u.a. die Vereinszeitschrift „Sedina-Archiv“ vor, berichtete über Forschungsmöglichkeiten z. B. in Standesamtsregistern und Kirchenbüchern, über Jahrestreffen und Teilnahme am deutschen Genealogentag sowie über Besuche im Staatsarchiv Stettin und Köslin. „Die Pommersche Zeitung ist eine große Quelle für Informationen“, sagte André Marten. „Wir planen, sie zu digitalisieren und zugänglich zu machen.“ Anschaulich berichtete er vom Besuch des Zentralfriedhofs in Stettin, wo deutsche Grabsteine unter Denkmalschutz stünden. Bemerkenswert war auch seine Feststellung, dass junge Polen Interesse hätten, deutsche Gräber zu finden und zu pflegen. Er kritisierte, dass in unserem Bildungssystem nicht über frühere deutsche Gebiete und die Vertreibung informiert werde. In der Schule werde das Schicksal von 14 Millionen Deutschen in 45 Minuten abgehandelt.

In einem weiteren Vortrag stellte Dr. Wilfried Hornburg als Vorsitzender detailliert den Werdegang und die Aktivitäten der Gesellschaft für pommersche Geschichte, Altertumskunde und Kunst e.V. mit Sitz in Greifswald, gegründet 1824 in Stettin, vor. Mit der Gründung des Vereins, dessen erster Präsident Dr. Johann August Sack war, setzte eine intensive Sammlungstätigkeit zur Pflege und Erhaltung des pommerschen kulturellen Erbes ein. Mit Kriegsende 1945 kam die Vereinstätigkeit zum Erliegen. Einige Jahre später erfolgte die Neugründung mit Sitz in Hamburg. Durch die Wende ergaben sich neue Möglichkeiten der Erarbeitung der pommerschen Geschichte, und 1997 wurde der Vereinssitz nach Greifswald in Vorpommern verlegt. „An der Universität Greifswald gibt es keinen Lehrstuhl mehr für pommersche Geschichte“, stellte Dr. Hornburg fest und bedauerte, dass pommersche Bestände nicht aufbewahrt würden. Für die Aufarbeitung der pommerschen Geschichte gäbe es keine Unterstützung der Arbeit in Land und Bund.

Prof. Dr. Heidi Hein-Kircher, Direktorin der Martin-Opitz-Bibliothek (MOB) Herne, hielt per Video einen informativen Vortrag zum Thema „Deutsches Kulturerbe aus dem östlichen Europa sammeln und bewahren“. „Bücher bauen Brücken“ ist das Motto dieser 1989 gegründeten Zentralbibliothek, die gemäß § 96 BVFG (Kulturparagraf) Literatur aus der gesamten Zeit kulturellen Wirkens der Deutschen im östlichen Europa sammelt, bewahrt und der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. Die MOB spiegele auch das Bedürfnis wider, die Identität der Flüchtlinge zu stärken, so Prof. Hein-Kircher, die zur Nutzung der Bibliothek einlud und persönlich Kontakt aufzunehmen, auch telefonisch und per E-Mail.

Cezary Lazarewicz, 1966 in Darlowo (Rügenwalde) geborener polnischer Journalist und Schriftsteller, war nun zum zweiten Mal als Referent zu Gast auf der Bundeskulturtagung und kam in Begleitung seiner Übersetzerin Aleksandra Heidenreich. In kommunistischer Zeit, so berichtete er, hörte man nichts von ehemaligen deutschen Einwohnern Rügenwaldes. „Unsere Geschichte begann 1947. In alten Zeiten bis zu den Jahren ca. 1100/1200 gab es Slawen. Dazwischen gab es ein großes Loch.“ Aber es gab sichtbare Zeichen, die er nicht lesen konnte: Namen und Bezeichnungen, wie etwa die Hakenterrasse in Stettin. Mit geheimnisvollen Bildern war der Fischerbrunnen in Darlowo/Rügenwalde ausgemalt. Ihm war nicht bewusst, dass dort nicht schon immer Polen gewohnt hatten. Doch von seiner Oma erfuhr er einiges. 1945 kamen seine Großeltern nach Rügenwalde und lebten noch ein halbes Jahr zusammen mit einer deutschen Familie in einem Haus, in das sie sich einquartiert hatten. Lazarewicz fragte sich, wohin die ehemaligen deutschen Bewohner gegangen waren und wie sie hießen. Nach der Zeit des Kommunismus interessierte er sich für die Geschichte der ehemaligen deutschen Bewohner; es kam auch zu einem ersten Treffen in Rügenwalde mit ehemals deutschen Rügenwaldern. Noch in der zweiten Hälfte der 80er Jahre befürchteten die in Pommern angesiedelten Polen (oft ebenfalls Vertriebene), dass die Deutschen zurückkommen könnten und ihren alten Besitz wieder in Anspruch nehmen könnten. „Heutzutage haben wir Zugang zu Dokumenten“, berichtete Lazarewicz, „und die Polen zeigen großes Interesse an der pommerschen Geschichte, die Deutschen jedoch nicht.“

Lazarewicz stellte sein auf Polnisch erschienenes Buch „Jak zdobywalismy Pomorze“ (Wie haben wir Pommern erobert) mit sechs Erlebnisberichten vor. Sein Plan sei, ein weiteres Buch - eine literarische Reportage - zu schreiben über Pommern, die nach 1945 ihr Land verlassen mussten.

Nach Anregungen und Erfahrungsaustausch beschloss Adalbert Raasch die Tagung mit Worten des Dankes an alle Teilnehmer und Mitwirkenden, Referenten und Gäste aus nah und fern, insbesondere auch an Detlef Lindemann. Der Bundesvorsitzende blickte bereits auf das Jahr 2028, in dem das 80jährige Bestehen der Pommerschen Landsmannschaft gefeiert werde. „Wir wollen erinnern, wir wollen bewahren, und wir wollen mit dem Zusammenfügen von Vergangenheit und Gegenwart die Zukunft gewinnen!“

Die gut organisierte Tagung, die in angenehmem Ambiente stattfand, wird den Teilnehmern in guter Erinnerung bleiben. Sie wussten die informativen Vorträge, die menschlichen Begegnungen und Gespräche sowie das landsmannschaftliche Miteinander zu schätzen.

Waltraud Widany
Vorschaubilder bitte zum Vergrößern anklicken.
Menü überspringen
Kontakt:
Geschäftstelle der
Pommerschen Landsmannschaft e. V.
Winsterstraße 41a, 45481 Mülheim
        
Telefon  +49 (0)208 / 485950
E-Mail:  ma.schlegel@gmx.net
Spenden-Konto:
Sparkasse zu Lübeck.
IBAN: DE55230501010001087857
Pommersche Landsmannschaft e. V.
BIC: NOLADE21SPL

© All rights reserved. Webseitenbetreuung: www.defort.de, Bassum.
Zurück zum Seiteninhalt